Lesungen

     Zum Gedenken an Bücherverbrennungen der Nazis in Hamburg
    Hamburger Omas Gegen Rechts haben ihre Lesung zur Bücherverbrennung aufgezeichnet
     

Sechs Omas aus der Hamburger Literaturgruppe trafen sich am Mahnmal der Bücherverbrennung am Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel. Sie haben Texte  aus verbrannten Büchern gelesen und daraus ein Video erstellt. Ursprünglich sollte eine  Marathonlesung "Monat des Gedenkens Eimsbüttel" am 14. Mai 2020 stattfinden. Verschiedene antifaschistische Initiativen hatten die Lesung vorbereitet, so auch Omas Gegen Rechts. Hier ein Bericht zur Aktion und zur Lesung der Omas Gegen Rechts.

     Lesereise in Norddeutschland
    Monika Salzer: Omas Gegen Rechts - Warum wir für die Zukunft unserer Enkel kämpfen 
     Verlag Droemer

Bereits zweimal - Ende 2019 und im Frühjahr 2020 - war Monika Salzer, die Gründerin der Omas Gegen Rechts aus Wien, zu Lesereisen in Norddeutschland. Sie hat ihr Buch "Omas Gegen Rechts - Warum wir für die Zukunft unserer Enkel kämpfen" vorgestellt. Wir dokumentieren Auszüge aus  Berichten von Omas Gegen Rechts über diese Veranstaltungen.

 

"... Nach einem kurzen Rundgang durch Bremens Innenstadt trafen sich um die 20 Omas mit Monika Salzer im Café Theatro zum persönlichen Kennenlernen und Austausch. ...Themen waren u.a. die aktuelle politische Situation, gerade auch nach dem Terroranschlag auf eine Synagoge mit dem Mord an zwei Menschen durch einen Rechtsextremisten in Halle. Wie damit umgehen, welche weiteren Strategien entwickeln, die über die Teilnahme an Demonstrationen hinausgehen, um damit weitere Omas und Teile der Gesellschaft zu erreichen im Kampf gegen antidemokratische Bewegungen und Entwicklungen und der Unterwanderung und letztlich Zerstörung des gemeinsamen demokratischen Europa entgegenzuwirken. Monika Salzer spricht in diesem Zusammenhang von der Errichtung einer illiberalen Demokratie der rechten finanzstarken Verbindungen. Wie kann politischer Widerstand der Omas gegen rechts weiter konkret aussehen, organisiert und in die Tat umgesetzt werden, um gegen Faschismus, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus anzukämpfen und ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür zu schaffen. ..."

 

"... Warnend berichtet die Theologin und Psychotherapeutin von den Entwicklungen in ihrem eigenen Land hin zu einer, wie sie immer wieder sagt, „illiberalen Demokratie“. ... Besonders beklagt Salzer den Sozialabbau in den vergangenen zwei Jahren und widmet dem Thema Armut ein ganzes Kapitel. Österreich habe schon immer etwas für „Operettenkönige“ übrig gehabt, kommentiert sie lakonisch, aber nicht verharmlosend die Situation ihres Landes, das von weiteren illiberalen Demokratien umgeben sei. Die Politik der letztlich rechtsradikal formatierten Parteien zerstöre „bewusst den gesellschaftlichen Diskurs“ und beherrsche perfekt das Ignorieren als „Instrumentarium psychologischer Kriegsführung“. ... Aber dem, was im Parlament geschehe, stehe das, was auf der Straße geschieht, gegenüber. Richtig radikal wird die 71-Jährige, wenn sie von der Protestkultur der Omas spricht. Sie zitiert dabei Konstantin Wecker, „Misch dich ein, sag Nein“, und Dietrich Bonhoeffers Aufruf, dem „Rad in die Speichen“ zu greifen. Denn sie sieht die „Seele Europas“– „Humanität, Menschenrechte und Demokratie“ – in Gefahr. Und sie möchte, wie viele Frauen der mittlerweile großen Bewegung bestehen, wenn ihre Enkel sie fragen: „Was habt ihr eigentlich getan?“ ... „Wir haben Angst um unsere Jugend“, klagt die dreifache Großmutter Salzer. Ältere Frauen seien endlich frei, konstatiert sie und ruft dazu auf, diese Freiheit konstruktiv einzusetzen. „Die Jugend findet uns cool“, so Salzer, wenngleich sie abschließend feststellt: „Wir haben unseren Teil des Generationenvertrages nicht gut erfüllt, Europa hat den inneren Kompass verloren.“

 

"... und wir waren stolz, diese so sympathische offene Frau kennenzulernen, die von ihrer Motivation und ihrer Arbeit bei den OMAS berichtete. Dies war für uns eine wunderbare Anregung unsere Arbeit und Strukturen zu reflektieren und auch zu überdenken."

     Lesung in der Paulskirche Hamburg Hamm
     Wilfried Manneke "Guter Hirte, Braune Wölfe
    Verlag Droemer Knaur GmbH & Co KG, München

Am 14.11.2019 hat Pastor Wilfried Manneke in der Pauluskirche in Hamburg Hamm aus seinem Buch „Guter Hirte, braune Wölfe“ gelesen. Veranstalter waren die Hammer Buchhandlung „Seitenweise“, der Kulturladen Hamburg Hamm und die Bürgerinitiative „Hamm’se Zivilcourage“. Die Omas gegen Rechts Hamburg haben die Lesung unterstützt und Oma Elke hat einen Büchertisch im Eingangsbereich der Kirche aufgebaut.

 

In seinem Buch beschreibt Wilfried Manneke, wie er als junger Pastor in Südafrika Apartheid erlebte und dadurch für Unrecht und Rassismus sensibilisiert wurde. Zurück in Deutschland übernahm er die Gemeinde Unterlüß in der Südheide und entdeckte in dieser Region einen „braunen Sumpf“ unerwartet großen Ausmaßes: von einer Begegnungsstätte der Rechtsextremen, in die auch Beate Zschäpe kam, bevor sie mit dem NSU im Untergrund verschwand, über Brauchtumsfeiern bis hin zu zahlreichen Überfällen von Neonazis auf Menschen, die ihnen kritisch gegenüberstehen. Die neue Parole der Rechtsextremen lautet: „Wir erobern die Städte vom Lande aus.“

 

Pastor Manneke berichtet von den Aktivitäten Jürgen Riegers, von Neonazis, die z.B. mithilfe rechtsradikaler Musik um die Köpfe und Herzen der Jugendlichen buhlen, der Aktivitäten der Frauen in der Bewegung und vielem mehr. Und er stellt klar: „Wir haben es bei dieser Szene nicht mit einer verqueren, politisch motivierten ‚Neuen Rechten’ zu tun – sondern mit Hardcore-Neonazis: Totschlägern, Judenhassern, Rassisten, Lebensborn-Verfechtern, Auschwitz-Leugnern, NPD-Ideologen – kurzum: Verächtern menschlicher Werte.“ 

 

Mit der vor Ort bereits bestehenden Bürgerinitiative hält er zahlreiche Mahnwachen ab, kämpft um diejenigen, die noch erreichbar scheinen und wendet sich mehrfach an Politiker. Im Buch und während der Veranstaltung berichtet Pastor Manneke von Erfolgen und Misserfolgen. Sein Credo lautet: „Wenn wir aufgeben, haben die Nazis gewonnen. Die Mitte der Gesellschaft muss jetzt aufstehen.“

 

Die sehr engagierte Pastorin Löwisch machte die Einführung und leitete die Diskussion nach der gut besuchten Lesung. Angenehm überrascht war ich, dass Pastor Manneke sich nicht darauf beschränkte, wesentliche Passagen seines Buches zu lesen, sondern zusammen mit Videoaufnahmen viele weitergehende Informationen an sein gebannt lauschendes Publikum weitergab. 

 

Diskussionspunkt war unter anderem die (zu) späte Erkenntnis der Politiker, dass Rechtsextremismus eine Gefahr für unsere Demokratie darstellt, der man sehr konsequent begegnen muss. In der Pause konnte man sich die Exemplare von „Guter Hirte, braune Wölfe“ von Pastor Manneke signieren lassen, wovon viele Teilnehmer/innen der Veranstaltung Gebrauch machten.

 

Mich überzeugte Pastor Manneke durch sein ruhiges, bescheidenes Auftreten, den gezeigten Mut und Durchhaltewillen und seine menschenfreundlichen Einstellungen: Er lebt das Christentum, das er predigt und beeindruckt damit auch nichtreligiöse Menschen.

 

Monika Dengler