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Seebrücke - Mahnwachen in Hamburg

In der Presseerklärung der Seebrücke zum Verbot der beantragten "Abstandsmahnwache" heißt es:

"...Warum diese Aktion trotz des ausführlichen Sicherheitskonzepts mit einem Abstand von 3 Metern ein Infektionsrisiko darstellen soll, ist uns auch nach gründlichem Lesen des Bescheides schleierhaft. Das Handeln der Behörden in Hamburg ist weiterhin von einer grundsätzlichen Ablehnung von politischem Protest im öffentlichen Raum und einem tiefgreifenden Misstrauen gegenüber der Eigenverantwortung der Protestierenden bestimmt,“ kritisiert Christoph Kleine von der Seebrücke Hamburg das Verbot.

 

Auf eine gerichtliche Klärung wurde verzichtet. In der Presseerklärung heißt es weiter: "Immerhin habe sich nach den jüngsten Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Hamburg und des Bundesverfassungsgerichts auch bei der Polizei Hamburg die Erkenntnis durchgesetzt, dass die bisherige repressive Strategie des Totalverbots nicht aufrechtzuerhalten sei".

Neu angemeldet und von der Polizei bestätigt wurden vier Mahnwachen mit 60 Personen an vier Stellen der Binnenalster.

 

Bericht von Reinhard:

Die Mahnwachen wurden so durchgeführt, wie von Seebrücke und Polizei besprochen. Die Seebrücke hatte um 12.00 Uhr die vier Plätze mit 60 Menschen besetzt. Spruchbänder und Schilder wurden gezeigt. Die Teilnehmer der Mahnwachen waren ordnungsgemäß vermummt. Verrückte Zeiten!

 

Menschen flanierten, fotografierten, diskutierten. Freundliches Grüßen und Winken, auch hin und wieder lautes Soli-Hupen aus Autos war zu hören. Die Polizei begleitete die Veranstaltung diskret. Alles lief geordnet, friedlich, geradezu idyllisch ab.

Schwer zu sagen, daß und was untergründig noch da ist. Bei mir jedenfalls auch Wut wegen des Verbotes der ursprünglichen, sehr sorgfältig und verantwortungsvoll geplanten Veranstaltung. In der letzten Zeit war es gelungen, für Themen der Omas gegen Rechts Tausende zu mobilisieren: Jetzt sind da  60 Aktivisten. Ich winke ihnen freundlich zu, bedanke mich bei ihnen, dass sie durchhalten und (überhaupt) etwas machen. Ich fotografiere und berichte. Ich bin Zeuge. Zeuge von Einschränkungen meiner Grundrechte und Zeuge einer zutiefst inhumanen Politik gegen Hilfesuchende.

 

Bericht von Karla:

Die Seebrücke hatte an 4 Stationen rund um die Binnenalster Mahnwachen mit insgesamt 60 Teilnehmern eingerichtet, um ihren Forderungen nach Hilfe für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer und die Aufnahme von Flüchtlingen aus den griechischen Lagern, vorrangig von unbegleiteten Minderjährigen, Ausdruck zu verleihen. Unter dem Motto "Leave no one behind" wurde nach den Corona-Abstandsregeln und den Auflagen der Polizei protestiert.

 

Hier ein aktueller Bericht des NDR dazu

 

Auch wir waren dabei: 6 OMAS und 1 OPA.

An unserem Treffpunkt trafen sich bei strahlendem Sonnenschein zuerst Silke, Laura und ich. Wir begannen an der Mahnwache A mit der Umrundung der Binnenalster und besuchten nacheinander alle 4 Mahnwachen. Silke hatte an ihren Fahrrad ein Transpi mit dem Text "Für die Einhaltung der demokratischen Grundrechte des Asylrechts und für die Aufnahme von Flüchtlingen" befestigt. Die Leute an den Mahnwachen freuten sich über unser Erscheinen.

 

Es gab auch ganze Fahrrad-Corsos mit lauten Klingeln, Jogger mit beschrifteten Westen und einzelne Autos mit Hupkonzert rund um die Binnenalster. Die Stimmung war gut und friedlich. Viele zufällige Passanten äußerten ihre Zustimmung, ein paar wenige Miesepeter gab es wie leider fast jedesmal.

 

Die Freude war groß als wir nach der 3. Mahnwache die OMAS Kerstin, Andrea und Inge sowie OPA Reinhard trafen. Am Ende gab es noch ein Eis auf den Alstertreppen.