Lesereise Monika Salzer Tag 4 Verden

„Die Omas sind das Beste, was mir bisher im Leben passiert ist“, sagt Monika Salzer und erntet damit erheitertes Kopfnicken. Die Wiener Gründerin der mittlerweile europäischen Bewegung „Omas gegen Rechts“ las in der Buchhandlung Vielseitig aus ihrem jüngst erschienen, gleichnamigen Buch.

Warnend berichtet die Theologin und Psychotherapeutin von den Entwicklungen in ihrem eigenen Land hin zu einer, wie sie immer wieder sagt, „illiberalen Demokratie“. „Man kann sich gar nicht vorstellen, was in zwei Jahren alles geschehen kann“, führt sie dem intensiv zuhörenden Publikum vor Augen: Einführung der 60-Stunden-Woche, freiheitsbeschränkende Gesetze für Zuwanderer, Umbau der Medienlandschaft. Besonders beklagt Salzer den Sozialabbau in den vergangenen zwei Jahren und widmet dem Thema Armut ein ganzes Kapitel. Österreich habe schon immer etwas für „Operettenkönige“ übrig gehabt, kommentiert sie lakonisch, aber nicht verharmlosend die Situation ihres Landes, das von weiteren illiberalen Demokratien umgeben sei. Die Politik der letztlich rechtsradikal formatierten Parteien zerstöre „bewusst den gesellschaftlichen Diskurs“ und beherrsche perfekt das Ignorieren als „Instrumentarium psychologischer Kriegsführung“.

Aber dem, was im Parlament geschehe, stehe das, was auf der Straße geschieht, gegenüber. Richtig radikal wird die 71-Jährige, wenn sie von der Protestkultur der Omas spricht. Sie zitiert dabei Konstantin Wecker, „Misch dich ein, sag Nein“, und Dietrich Bonhoeffers Aufruf, dem „Rad in die Speichen“ zu greifen. Denn sie sieht die „Seele Europas“– „Humanität, Menschenrechte und Demokratie“ – in Gefahr. Und sie möchte, wie viele Frauen der mittlerweile großen Bewegung bestehen, wenn ihre Enkel sie fragen: „Was habt ihr eigentlich getan?“

„Wir haben Angst um unsere Jugend“, klagt die dreifache Großmutter Salzer. Ältere Frauen seien endlich frei, konstatiert sie und ruft dazu auf, diese Freiheit konstruktiv einzusetzen. „Die Jugend findet uns cool“, so Salzer, wenngleich sie abschließend feststellt: „Wir haben unseren Teil des Generationenvertrages nicht gut erfüllt, Europa hat den inneren Kompass verloren.“

Da sich nach der Lesung Interessierte fanden, wird es am Montag, 4. November, 19 Uhr, ein erstes Treffen von „Omas gegen Rechts“ in Verden geben, im unteren Gemeindesaal der Domgemeinde (Eingang Weltladen), am Lugenstein 8.